Der Kampf gegen Plastik im Biomüll geht weiter

Bericht von Marco Mitterböck | 05.30 Uhr, 19. Juli 2018 | Kleine Zeitung
Foto: © Marco Mitterböck

Der Abfallwirtschaftsverband setzt seit einem Jahr auf Säcke aus Papier, um Plastik aus dem Biomüll zu verbannen. Das schont die Umwelt.

Essiggurken im Glas, Früchten in Dosen, Rasierschaum oder einfach nur Plastiksäcke, all diesen Störenfrieden hat der Abfallwirtschaftsverband Mürzverband vor genau einem Jahr den Kampf angesagt. Die Kampagne „Plastik ist kein Biomüll“ sollte dazu beitragen, die Bevölkerung zu sensibilisieren – mit Erfolg. Erst kürzlich wurde besagte Kampagne beim German Brand Award in Berlin ausgezeichnet, doch auch in der Region hat sich der Erfolg mittlerweile eingestellt.

Ausgehend von der Pilotgemeinde Aflenz wurde das Projekt seit dem Sommer des Vorjahres auf den gesamten Bezirk ausgeweitet. „Aflenz funktioniert wirklich tadellos. Große Fehlwürfe wie Gläser und Dosen sind selten, werden aber ohnehin maschinell ausgesiebt“, sagt Geschäftsführer Andreas Zöscher. Mehr Probleme bereiten da schon kleine Plastikpartikel, weil sie immer weiter zerkleinert werden und so in einen Kreislauf geraten. Keine Freude haben die Experten deshalb auch mit den Maisstärkesäcken, weil stets ein Rest an Plastik bestehen bleibt. „Da geht es um die Qualität von Kompost und Erde, auf die unsere Abnehmer natürlich großen Wert legen“, sagt Richard Lanzinger vom AWV, der jährlich 12.500 Tonnen Restmüll und 6500 Tonnen Bio-Abfall bearbeitet. Das Rezept gegen Plastik im Biomüll? Papiersäcke, ob nun in kleiner oder großer Ausführung, also mit einem Fassungsvermögen von 6 oder 240 Litern.

In den Geschäften lauert Plastik

Mit Partnern wie etwa Saubermacher sorgt der Abfallwirtschaftsverband dafür, dass die Idee letztlich auch bei der Bevölkerung ankommt. „Die Gemeinde gibt die Säcke in weiterer Folge an die Bürger aus“, sagt Zöscher. In den Geschäften werden jedoch weiterhin Plastiksäcke angeboten, häufig zu Cent-Preisen, im Hunderterpack oder gleich in eigens günstig positionierten Wühltischen. Deshalb, so Zöscher und Lanzinger unisono, sei die Bewusstseinsbildung besonders wichtig, um letztlich trotz aller kommerzieller Verlockungen zum Papier zu greifen.
Neben dem eigenen Bewusstsein spielt auch jenes des Nachbarn eine Rolle, weshalb die Abfallexperten auf das System der Nachbarschaft setzen. „Im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag gibt es 70.000 Haushalte, da können wir nicht jeden einzeln erreichen. Deshalb sind wir auf das Netzwerk aus Nachbarn angewiesen“, sagt Zöscher. Dieses kommt etwa dann zum Tragen, wenn neue Bewohner noch nichts von der Kampagne wissen.

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